Gastkommentar von unserem Marketing-Praktikanten Benjamin Gries:

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Nachdem Google erst kürzlich seine phänomenalen Quartalszahlen der breiten Öffentlichkeit präsentierte, stieß ich nur wenig später auf eine interessante Statistik: Obwohl das kalifornische Unternehmen in den letzten Jahren eine rasante Diversifikationsstrategie in immer neue Geschäftsfelder gefahren ist, so erzielt es doch immer noch 97% seines Gesamtumsatzes aus Werbeeinnahmen. Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass all die Dienstleistungen und Software wie Google Search, Google Docs, Android, die Google momentan anbietet, seinen Nutzern gänzlich kostenlos zur Verfügung stehen.
 
Vielleicht gerade aus dem Grund, um das eigentliche Kerngeschäft mittels der Durchdringung des Netzes weiter zu verteidigen. 32,3 Milliarden Dollar verdiente das Unternehmen im 3. Quartal 2011 mit Werbung, was sicherlich auch dem Fakt geschuldet ist, dass Google selbst großen Werbekunden wie McDonalds oder CocaCola keine Rabatte einräumt, während TV, Radio und Print über einbrechende Werbeeinnahmen und zu hohe Rabatte klagen. Ihr Monopol im Online-Markt wissen die Herren aus Mountain View also sehr wohl zu nutzen.Als äußerst aufschlussreich empfand ich auch die Auflistung der 20 teuersten und somit umsatzstärksten Keywordkategorien, die man im Jahre 2011 bei Google Adwords kaufen konnte. So belegte die Keywordkategorie “insurance” mit einem CPC von $54,91 Platz 1, dicht gefolgt von “loans” auf Platz zwei mit $44,28 und “mortgage” auf Platz 3 mit einem CPC von $47,12. Bei näherem Hinsehen wird hier schnell klar, dass diese 3 Wörter einiges gemeinsam haben; zum einen haben alle direkt mit Geld zu tun, zum anderen dienen sie einem übergeordneten Ziel; der Sicherheit, die sich in der heutigen Zeit lediglich mit Hilfe des Geldes verwirklichen lässt.
 
Der Maslowschen Bedürfnispyramide zu Folge wird die unterste Stufe der menschlichen Bedürfnisse von den sogenannten Grundbedürfnissen besetzt, worunter Essen, Trinken und Schlafen fallen. Da wir eine relativ weitentwickelte Spezies sind, zieht es die Mehrheit von uns vor, nicht unter freiem Himmel zu schlafen, sodass wir uns entweder ein Haus bauen, oder eines kaufen. Um eben dieses Bedürfnis zu befriedigen, benötigen die meisten Menschen nunmal ein Darlehen oder eine Hypothek.Gleich über den Grundbedürfnissen ranken die Sicherheitsbedürfnisse, worunter die materielle und berufliche Sicherheit und folglich auch die eigene Absicherung fällt, was uns zu dem Keyword “insurance” führt. Selbst die Keyword Kategorie “attorney”, welche mit einem CPC von §47,07 auf Platz 4 ranked, lässt sich problemlos in die Kategorie der sozialen Sicherheit einordnen und verdeutlicht das intrinsische Streben des Menschen nach Recht und Ordnung.Doch was ist mit Unterhaltung und Pornographie? Leben wir nicht in einer Zeit in der Eskapismus vom  zermürbenden Alltagsstress unser erster Gedanke am heimischen PC ist? Entgegen meinen Vermutungen finden sich unter den Top 20 Key Word Kategorien nicht ein Keyword, das auch nur im Entferntesten mit Unterhaltungs- oder Erotikangeboten zu tun hat. Vielleicht ist die Konkurrenz bei derartigen Keywords einfach nicht intensiv genug? Oder enthält Google uns seine Geschäfte mit der Erotikindustrie in seiner Statistik etwa bewusst vor? Eine klare Antwort darauf habe ich nicht.
 
Laut der Richtlinien von Google Adwords lässt sich das Thema Porno nur in gewissen Grenzen durch Adwords bewerben und es müssen viele Richtlinien eingehalten werden. Abraham Maslow würde zur Beantwortung dieser Fragen wahrscheinlich auf seine Bedürfnispyramide verweisen und sie mit der Tatsache begründen, dass soziale Bedürfnisse wie Kommunikation, Liebe und Sexualität den Menschen weniger wichtig sind als ein sicheres Dach über dem Kopf und die Absicherung ihrer existenziellen Bedürfnisse. Und das wird wohl auch noch eine ganze Weile so bleiben.